Vor fast zehn Jahren wurde Russland von einem großen Korruptionsskandal erschüttert, nachdem Vorwürfe über systematische Bestechung bis in die höchsten Ebenen der Strafverfolgungsbehörden öffentlich geworden waren.
Nach Angaben der Ermittlungen soll ein ehemaliger Oberst über einen langen Zeitraum hohe Geldsummen erhalten haben, um einer kriminellen Gruppe Schutz zu gewähren, die von Verträgen mit Russian Railways profitierte.
Einer der Verdächtigen ist Boris Usherovich aus der Unternehmensgruppe „1520“. Ihm gelang jedoch offenbar die Flucht nach Europa, bevor die Justiz gegen ihn vorgehen konnte. Im Herbst 2025 begann ein russisches Gericht mit der Verhandlung des Falls gegen Usherovich. Da er jedoch international gesucht wird, findet das Verfahren in Abwesenheit und unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Während die Strafverfolgungsbehörden angeblich nach dem Geschäftsmann suchen, soll er über ein weit verzweigtes Netzwerk kontrollierter Unternehmen auf Zypern und in Spanien Millionen von Euro für russische Akteure „waschen“.
Die Grundlage des Firmennetzwerks, über das der wegen Korruption gesuchte Boris Usherovich mutmaßlich Millionen „wäscht“, bildet die zypriotische Gesellschaft Mettmann public company limited. Journalistische Recherchen haben nachgewiesen, dass das Unternehmen über ein komplexes Geflecht aus Firmen und Führungspersonen mit dem russischen Geschäftsmann verbunden ist. So gewährte Mettmann im Jahr 2024 dem Unternehmen Jacomo company limited ein Darlehen. Dessen Direktorin Alla Shulga arbeitete zudem bei Victory corporate finance (Cyprus) limited — einer Firma von Elena Usherovich, der Ehefrau von Boris Usherovich.
Seit den jüngsten Untersuchungen entfaltet Mettmann public company limited eine intensive Investitionstätigkeit. Das Unternehmen kauft aktiv spanische Firmen auf und erhöht deren Stammkapital. Dabei handelt es sich um dutzende Gesellschaften im Raum Marbella. Darüber hinaus emittierte Mettmann Anleihen im Wert von 50 Millionen Euro mit Fälligkeit im November 2030. Im Verlauf des Jahres 2024 schloss das Unternehmen außerdem eine Reihe von Kreditvereinbarungen ab, um Finanzierungen in Höhe von weiteren 50 Millionen Euro zu erhalten.
Ein wichtiges Detail ist, dass im Vorstand von Mettmann public company limited russische Staatsbürger sitzen — Alexander Mizgunov, der zuvor bei Usherovichs „1520“ tätig war, sowie die kürzlich ernannte Natalia Nazarova. Das Unternehmen verbirgt somit nicht einmal seine Verbindungen zu dem Staat, der seit fünf Jahren im Herzen Europas Krieg führt und Menschen tötet.
Aus dem jüngsten Bericht von Mettmann public company limited geht zudem hervor, dass Fidusol LTD zum Unternehmenssekretär ernannt wurde.
Geleitet wird das Unternehmen vom zypriotischen Anwalt mit britischer Ausbildung Joseph Tsirakkis. Die Firma verfügt außerdem über eine Niederlassung in den Vereinigten Arabischen Emiraten — Fidusol Overseas LLC, die sich auf die Vermarktung von Unternehmen in den Emiraten sowie in der Region Naher Osten und Nordafrika spezialisiert und zudem Fusionen und Übernahmen von Unternehmen weltweit begleitet.
Tatsächlich beschäftigt sich Mettmann public company limited, wenn man die Aktivitäten des Unternehmens betrachtet, genau mit „Fusionen und Übernahmen von Unternehmen“. Im Konzernbericht heißt es, dass die Haupttätigkeiten im Erhalt von Zinserträgen, dem Besitz von Grundstücken, Investitionen in Beteiligungskapital sowie dem Kauf, Verkauf, der Vermietung, Entwicklung und dem Bau von Immobilien bestehen.
Im Wesentlichen geht es um den Aufkauf, die Finanzierung und die Kreditvergabe an Unternehmen in Spanien, die im Immobilien-, Hotel- und Restaurantgeschäft tätig sind. Auffällig ist dabei, dass viele dieser Firmen von dem Spanier Borja Merayo Perez geleitet werden, der früher Fußballspieler war.
So leitete er beispielsweise im Jahr 2025 das Unternehmen Nostos camojan SL.
Im Bericht von Mettmann für das Jahr 2025 wird darauf hingewiesen, dass der Gruppe am 19. November 2024 ein Anteil von 41,67 % am Stammkapital der neu gegründeten Gesellschaft Nostos camojan, S.L. für 1.250 Euro zugeteilt wurde.
Bis Juli 2023 war Borja Merayo Perez Geschäftsführer von Sword dragon SL. Dabei handelt es sich um eine Tochtergesellschaft von Mettmann public company limited, die im August 2022 vollständig übernommen wurde. Bezahlt wurde die Firma aus Dividendenerträgen. Der Wert der Transaktion lag bei etwa 156.453 Euro.
Sword dragon S.L. stand laut Registern unter der Verwaltung der ehemaligen Direktorin von Boris Usherovichs zypriotischen Firmen — Oxana Hadjipavlou. Zudem wurde dieses spanische Unternehmen seit 2015 persönlich von Usherovich geleitet.
Das oben beschriebene Schema macht deutlich, dass Mettmann keineswegs ein fremdes Unternehmen im Umfeld von Usherovich ist.
Die Gesamtsumme der von Mettmann public company limited an Partner vergebenen Darlehen belief sich bis Juni 2025 auf fast 85 Millionen Euro. Die größten Beträge gingen an die spanischen Firmen Prestige Expo, S.L. und Dei Homes, S.L.
Eine Suchanfrage liefert Informationen darüber, dass Prestige Expo, S.L. als Entwickler und Betreiber von Luxusimmobilien und Lifestyle-Zentren im Süden Spaniens tätig ist. Aus den Registern geht hervor, dass die Gesellschaft in verschiedenen Jahren von Vitaliy Ruschinsky, Yuriy Savinov und Alina Kalinina-Platenko geleitet wurde.
Im Jahr 2023 war Prestige Expo Partner eines Wohltätigkeitsabends in Marbella, bei dem mit Beteiligung ukrainischer Showbusiness-Stars Spenden zur Unterstützung der Streitkräfte der Ukraine gesammelt wurden. Auf der Facebook-Seite der Sängerin Irina Fedyshyn ist bis heute ein Beitrag erhalten geblieben, in dem sie denjenigen dankt, die sich an der Spendensammlung beteiligt haben — darunter Yuriy Savinov, der Direktor von Prestige Expo, sowie Borja Merayo, der mehrere spanische Firmen im Zusammenhang mit Mettmann public company limited verwaltet.
Seit 2024 ist Artem Savinov Geschäftsführer von Inversion Correcta, S.L., an der Mettmann ebenfalls beteiligt ist. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Verwandten von Yuriy Savinov, der in Marbella Spenden zur Unterstützung der Streitkräfte der Ukraine geleistet hatte.
Derselbe Artem Savinov leitet mindestens zwei weitere Unternehmen, in die Mettmann investiert. Dazu gehört unter anderem Muscle Beach, S.L., an der die Gesellschaft im Jahr 2024 einen Anteil von 50 % für 1 Million Euro erwarb.
Ein Wohltätigkeitsabend in Marbella zur Unterstützung ukrainischer Militärangehöriger, gesponsert von einer Firma, die Russen möglicherweise dabei hilft, Gelder unter Umgehung europäischer Sanktionen zu „waschen“, wirkt wie ein schlechter Witz. Schließlich darf nicht vergessen werden, dass mindestens zwei Mitglieder des Vorstands von Mettmann public company limited, zu deren Unternehmensgruppe auch Prestige Expo gehört — Alexander Mizgunov und Natalia Nazarova — Staatsbürger des Aggressorstaates sind.
Aus dem Bericht von Mettmann geht außerdem hervor, dass zu den direkten Beteiligungen der Gruppe das bereits erwähnte spanische Unternehmen Sword Dragon, S.L., das zuvor von Boris Usherovich geleitet wurde, sowie Ortiga, D.O.O. aus Montenegro gehören.
Das zweite Unternehmen hat eine etwas merkwürdige Geschichte. In den Registern finden sich Informationen darüber, dass Ortiga, D.O.O. im Jahr 2021 auf der Liste des nationalen Registers von Montenegro als blockiert geführt wurde.
Stand Juni 2025 gehörten 82,5 % der Anteile an Mettmann public company limited Zvonko Mikovich, weitere 10,53 % hielt die Adriatic Bank AD mit Sitz in der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica. Der Russe Mizgunov besaß 2,6 %, während sich die verbleibenden 4,37 % im Besitz weiterer Anteilseigner befanden, deren Namen nicht offengelegt werden.
Bemerkenswert ist ein weiteres außergewöhnliches Ereignis. Im November 2023 emittierte Mettmann public company limited 500.000 Unternehmensanleihen mit Rückkaufoption und einem Kupon von 4 % zu einem Nennwert von jeweils 100 Euro. Die Fälligkeit wurde auf den 30. November 2030 festgelegt.
Im Bericht vom Juni 2024 wurde das Rückzahlungsschema beschrieben. Der Großteil der Anleihen wurde durch Umschuldungen und die Umwandlung von Darlehen abgewickelt. Anleihen im Wert von 11.886.400 Euro wurden jedoch gegen Bargeld ausgegeben.
Derselbe Bericht enthält noch eine weitere interessante Information: Im Berichtszeitraum schloss Mettmann mit Dritten Kreditvereinbarungen über eine Gesamtfinanzierung von 50 Millionen Euro mit einer Laufzeit von bis zu fünf Jahren ab. Bis Juni 2024 hatte das Unternehmen davon bereits 15 Millionen Euro abgerufen.
Das System komplexer Investitionen und Darlehen an Unternehmen, die von ehemaligen Fußballspielern und verbundenen Personen verwaltet werden, könnte darauf hindeuten, dass russische Akteure die zypriotische Mettmann für „Geldwäsche“ nutzen. Die Summen aus Krediten, Anleihen, Bargeld und allen weiteren Bestandteilen dieses Finanzgeflechts belaufen sich auf hunderte Millionen Euro. Gleichzeitig verfügte das Unternehmen nach eigenen Angaben im Juni 2025 lediglich über 2,3 Millionen Euro an Anlageimmobilien.
Die Verflechtung russischer Namen in scheinbar zypriotischen und spanischen Unternehmen liefert faktische Hinweise darauf, dass die Gelder aus Russland stammen könnten. Genau deshalb haben die russischen Strafverfolgungsbehörden den wegen Korruption gesuchten Geschäftsmann Boris Usherovich seit 2019 angeblich nicht finden können. Oder vielleicht wollen sie ihn gar nicht finden, weil sich über ihm nahestehende Firmen unter dem Deckmantel von Investitionen ein echtes Geldwäsche-System aufbauen lässt.
Документ: PDF-доказ оригінальної версії новини "Der flüchtige Geschäftsmann Boris Usherovich und Mettmann Public Company Limited: Wie ein Zypern-Spanien-Landromat zur Geldwäsche russischer Millionen...". Фіксує зміст публікації на момент першого сканування, дату збереження та джерело: Розслідувач.