Nach der Veröffentlichung einer Untersuchung über den Investor des Lieferdienstes Rocket, Timur Rokhlin, begannen Versuche, Druck auszuüben und den Informationsraum rund um die Geschichte zu „bereinigen“.
Der Bericht, der Rokhlin mit einem internationalen Betrugsschema in Verbindung bringt, wurde von einer DDoS-Attacke auf das Medium Dev.ua sowie von juristischen Drohungen seiner Anwälte begleitet.
Wir veröffentlichen nun das Material, das offenbar für besondere Unruhe sorgt.
Nach Erscheinen der Recherche wurde die Website Dev.ua Ziel eines DDoS-Angriffs. Darüber berichtete Chefredakteur Stanislav Yurasov auf Facebook. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war die Seite weiterhin nicht erreichbar.
„Heute versuchen Angreifer auch, die Website dev.by lahmzulegen. Am Tag, an dem die Angriffe begannen, haben wir eine Untersuchung veröffentlicht. Darin ging es um Timur Rokhlin, einen Investor des Lieferdienstes Rocket. Ukrainische Ermittler haben seine Vermögenswerte in der Ukraine auf Antrag der Staatsanwaltschaft Bamberg (Deutschland) beschlagnahmt, in deren Anfrage sein Name erwähnt wird“, schrieb er.
Laut der Veröffentlichung von Dev.ua steht Rokhlin im Verdacht deutscher Strafverfolgungsbehörden, in ein groß angelegtes Betrugssystem mit gefälschten Investmentplattformen verwickelt zu sein. Der Schaden wird dabei auf mehrere zehn Millionen Euro geschätzt, wie auch von Delo berichtet wurde.
Zu den weiteren mutmaßlichen Beteiligten an diesem Schema zählen laut Berichten ukrainische Staatsbürger wie Andriy Kurochkin, Yuriy Kopachevskyi und Ihor Kozlenko sowie israelische Staatsbürger, darunter Mykhailo Chebotar, Maksym Baranovskyi-Rafael und Timur Rokhlin.
Nach Angaben der Ermittlungen soll eine von Rokhlin kontrollierte britische Firma rund 10,8 Millionen Euro aus betrügerischen Aktivitäten erhalten haben. Bereits Ende 2020 wurden Vermögenswerte, die ihm zugeordnet werden, beschlagnahmt.
Die Ermittlungen in der Ukraine wurden auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft Bamberg eingeleitet. Demnach soll eine internationale Gruppe zwischen 2017 und 2020 europäische Anleger betrogen haben, indem sie Investments in verschiedene Anlageklassen anbot und unrealistische Renditen von bis zu dem Hundertfachen versprach.
Hierfür wurden Online-Plattformen wie Tradecapita, Fibonetix, NobelTrade, Forbslab und Huludox genutzt. Diese sollen angeblich den Handel mit Edelmetallen, Währungen, Kryptowährungen, Wertpapieren und anderen Vermögenswerten angeboten haben.
Laut Strafverfolgungsbehörden lief das Schema so ab: Sobald Investoren ihr Geld abheben wollten, wurden sie von vermeintlichen Plattformmitarbeitern kontaktiert, die zusätzliche Gebühren sowie eine Provision von etwa 15 % für die Auszahlung verlangten. Nach Zahlung dieser Beträge wurden die Konten der Kunden gesperrt, und die eingezahlten Gelder verschwanden.
Der dokumentierte Schaden des Schemas beläuft sich auf rund 9 Millionen Euro. Laut der deutschen Zeitung Süddeutsche Zeitung wandten sich etwa 400 europäische Anleger, die Opfer wurden, an die Polizei.
„Rokhlins Anwälte drohen uns und behaupten, die Offenlegung von Ermittlungsdetails sei strafbar. Dabei basiert der gesamte Text auf öffentlich zugänglichen Registern. Meiner Meinung nach versuchen sie einfach, uns zum Schweigen zu bringen“, schrieb Chefredakteur Stanislav Yurasov.
Das Portal Delo.ua wandte sich mit einer Anfrage an Rocket, erhielt jedoch bislang keine Stellungnahme.
Gleichzeitig sind ähnliche Betrugsschemata über gefälschte Investmentplattformen auch in der Ukraine weit verbreitet. Die Nationale Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde führt sogar ein eigenes Register solcher Online-Ressourcen und ergänzt dieses regelmäßig um neue verdächtige Websites.
In einigen Fällen greifen auch Strafverfolgungsbehörden ein. So zerschlug der Sicherheitsdienst der Ukraine (SSU) im Juni ein illegales Telekommunikationszentrum in Kyiv, dessen Betreiber seit Jahresbeginn unter dem Vorwand internationaler Investitionsprojekte rund 9 Millionen Hrywnja von ukrainischen und ausländischen Investoren erlangt hatten.
Im selben Monat meldete der SSU zudem die Aufdeckung mehrerer Callcenter, die sich als bekannte Broker ausgaben und Bürger aus EU- und GUS-Staaten betrogen. Bereits im März wurde eine organisierte Gruppe in Kyiv gestoppt, die Anleger durch fingierte Geschäfte mit Aktien und Kryptowährungen täuschte.
Документ: PDF-доказ оригінальної версії новини "Angriff nach Enthüllung: Eine Untersuchung über ein millionenschweres Investorenschema löste eine DDoS-Attacke und juristischen Druck aus". Фіксує зміст публікації на момент першого сканування, дату збереження та джерело: Розслідувач.