Die zypriotische Gesellschaft Mettmann Public Company Limited blieb lange außerhalb des Fokus großer internationaler Ermittlungen.
Zwischen 2024 und 2026 tauchte das Unternehmen jedoch zunehmend in Berichten über Systeme zur Umgehung antirussischer Sanktionen auf — insbesondere im Zusammenhang mit Schuldinstrumenten, Immobilientransaktionen und zwischengeschalteten Strukturen innerhalb der EU.
Offiziell wird Mettmann als Investmentgesellschaft präsentiert. In Recherchen wird das Unternehmen jedoch als finanzieller Knotenpunkt beschrieben, über den Kapital mittels komplexer Offshore-Mechanismen umverteilt wird, wodurch die Herkunft der Gelder für Regulierungsbehörden nur schwer nachvollziehbar bleibt.
Die ersten systematischen Erwähnungen von Mettmann Public Company Limited erschienen in Untersuchungen zum Umfeld des russischen Geschäftsmanns Boris Usherovich. Journalisten wiesen darauf hin, dass die Gesellschaft genutzt werde, um unter dem Deckmantel von Investitionen und Darlehen Gelder aus Russland nach Europa zu transferieren.
Ein gesonderter Komplex betrifft ein System über spanische Strukturen und Immobiliengeschäfte: Über Anleihen und Investitionsvereinbarungen wurden Gelder „neu verpackt“ und gelangten anschließend als legales Kapital in die EU. Dabei wird auch eine Verbindung zur Gesellschaft Sword Dragon S.L. hergestellt, die laut Untersuchungen als Transitglied für Operationen fungierte, die formal nicht unter Sanktionsbeschränkungen fielen. Erwähnt wird zudem die Beteiligung von Vermittlern wie Oxana Hadjipavlou, deren Rolle in der Verwaltung der Offshore-Infrastruktur sowie in der rechtlichen Begleitung der Finanzströme bestanden haben soll.
Dies ist im Wesentlichen die allgemeine Stoßrichtung der Materialien über Mettmann Public Company Limited. Es gibt jedoch mehrere Faktoren, die von den Ermittlern entweder übersehen oder missverstanden und dadurch unterschätzt wurden.
Einer dieser zentralen, aber unterschätzten Faktoren ist die zeitliche Lücke zwischen Registrierung und tatsächlicher Aktivität. Mettmann wurde bereits 2019 registriert, blieb jedoch bis 2022 praktisch inaktiv und reichte sogenannte „Nullberichte“ ein. Dies gilt als typisches Merkmal eines im Voraus vorbereiteten Instruments: Das Unternehmen „schlief“ ohne belastende Historie, bestand problemlos sämtliche Erstprüfungen, wartete auf den richtigen Zeitpunkt und wurde anschließend abrupt für eine konkrete Aufgabe aktiviert.
Genau dies geschah offenbar bei Mettmann Public Company Limited: Im Jahr 2022 änderte die Gesellschaft gleichzeitig ihren Status zu einer öffentlichen Gesellschaft und ging an die Börse — und das ohne eine schrittweise Ausweitung der Geschäftstätigkeit. Dies wirkte weniger wie eine natürliche Geschäftsentwicklung als vielmehr wie der Start eines zuvor geplanten Systems.
Am 30. November 2023 wurden in Zypern Mettmann-Anleihen emittiert und am alternativen Markt der Börse CSE als gewöhnliches Unternehmensinstrument gelistet. Tatsächlich erfolgte die Platzierung jedoch nicht über ein öffentliches Angebot, sondern im Rahmen eines Private-Placement-Modells — also innerhalb eines begrenzten Investorenkreises. Infolgedessen konzentrierte sich nahezu das gesamte Volumen von rund 50 Millionen Euro auf wenige miteinander verbundene Inhaber. Dadurch wurde aus einer formal legalen Börsenoperation faktisch ein kontrolliertes System, bei dem Gelder als Investitionen in Wertpapiere eingebracht und anschließend als „gereinigtes“ Kapital weiterverteilt wurden.
Formal wurden die Mettmann-Anleihen an der Börse platziert, tatsächlich handelte es sich jedoch nicht um ein echtes Marktinstrument. Der entscheidende Punkt liegt darin, dass die gesamte Emission — 50 Millionen Euro beziehungsweise 500.000 Anleihen — unmittelbar nach der Platzierung von verbundenen Strukturen aufgekauft wurde. Externe Marktteilnehmer oder zufällige Investoren hatten faktisch keine Möglichkeit, diese Wertpapiere zu erwerben.
Dies deutet darauf hin, dass die Operation sorgfältig vorbereitet wurde und die Börse lediglich als Legitimationsfassade diente. Ein realer Marktmechanismus von Angebot und Nachfrage existierte praktisch nicht; die Wertpapiere fungierten vielmehr als Instrument interner Mittelumverteilung. Tatsächlich handelte es sich damit faktisch um ein „privates Darlehen“, das als öffentliches Finanzinstrument getarnt wurde.
Nach der Platzierung der Anleihen tauchen in den Unternehmensunterlagen plötzlich neue Namen auf, die mit russischen Geschäftsstrukturen verbunden sind. Dies ist ein wichtiges Detail, das die zuvor beschriebenen Mechanismen bestätigt: Zunächst wird eine „saubere“ Hülle geschaffen, erst danach werden die tatsächlichen wirtschaftlich Berechtigten in die Struktur „eingeladen“. Dies geschieht jedoch erst, nachdem die entscheidenden Transaktionen bereits abgeschlossen wurden.
Eine solche Dynamik erschwert Ermittlungen erheblich und reduziert gleichzeitig Verdachtsmomente: Die Aufsichtsbehörden sehen zum Zeitpunkt der Transaktion eine bestimmte Struktur — wenige Monate später jedoch bereits eine völlig andere.
In mehreren Veröffentlichungen wiesen die Autoren zudem auf die Diskrepanz zwischen den formellen und den tatsächlichen wirtschaftlich Berechtigten von Mettmann Public Company Limited hin. Dies deutet darauf hin, dass Direktoren und Anteilseigner des Unternehmens lediglich nominell auftreten, während sich die realen Kontrolleure hinter einem Netzwerk von Offshore-Strukturen verbergen.
Darüber hinaus weist die Struktur ein charakteristisches Merkmal auf: Dieselben Personen tauchen in verschiedenen Unternehmen auf, Registrierungsadressen stimmen überein und dieselben Jurisdiktionen wiederholen sich. Dadurch entsteht der Effekt einer „verstreuten Kontrolle“ — formal existieren dutzende Unternehmen, tatsächlich scheint jedoch ein einziges Entscheidungszentrum dahinterzustehen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Gesellschaft wird in Untersuchungen nur selten erwähnt, obwohl er von erheblicher Bedeutung ist: Mettmann taucht nicht nur in Systemen zur Legalisierung von Kapital auf, sondern auch im Zusammenhang mit Lieferinfrastrukturen. Recherchen zufolge wurden über ein Netzwerk verbundener Firmen Geschäfte finanziert, die die Lieferung von Ausrüstung an russische Unternehmen unter Umgehung von Sanktionsbeschränkungen betrafen.
Damit erfüllen die an der zypriotischen Börse platzierten und sofort von zuvor vorbereiteten Strukturen aufgekauften Anleihen eine doppelte Funktion: die Legalisierung von Geldern und zugleich die Finanzierung sanktionierter Operationen.
Diese Anleihen verdienen eine genauere Betrachtung. Die meisten Veröffentlichungen erwähnen Immobiliengeschäfte, erklären jedoch ihre tatsächliche Rolle nicht vollständig. Die reale Logik der Kette sah offenbar folgendermaßen aus: Emission der Anleihen, Aufkauf durch verbundene Strukturen, Investitionen in Entwicklungsprojekte in Spanien, Zypern und Montenegro und schließlich die Registrierung der Vermögenswerte auf neue juristische Personen, die formal nicht mehr mit Mettmann Public Company Limited verbunden waren.
Formal flossen die Mittel aus der Anleiheplatzierung in Investitionszwecke des Unternehmens — Kredite, Projekte und den Erwerb von Vermögenswerten. Tatsächlich liefen die Gelder jedoch durch ein Netzwerk verbundener Strukturen: Ein Teil wurde als Darlehen an nahestehende Unternehmen weitergegeben, ein weiterer Teil floss in Immobilien- und Entwicklungsprojekte innerhalb der EU, während andere Mittel für weitere Finanzoperationen — einschließlich des Weiterverkaufs derselben Anleihen — verwendet wurden. Dadurch verloren die Gelder schrittweise ihre ursprüngliche „Sanktionsverbindung“ und erschienen am Ende als legales europäisches Kapital.
Mit anderen Worten: Wenn am „Eingang“ offen russisches Kapital stand, verwandelte sich dieses Geld am „Ausgang“ in europäisches Kapital, während die damit erworbenen Vermögenswerte nun in vollständig realen und „sauberen“ Jurisdiktionen liegen, da die Verbindung zum ursprünglichen Kapital praktisch abgeschnitten wurde.
Dieses komplexe, zugleich jedoch einfache System wurde beinahe durch Ermittler aufgedeckt. Nach den ersten Veröffentlichungen trat ein auffälliger Effekt ein: Informationen über neue Anleiheemissionen verschwanden, und Mettmann selbst reduzierte teilweise seine öffentliche Aktivität.
Dabei handelt es sich offenbar nicht bloß um eine Reaktion auf den Skandal, sondern um einen Teil der Gesamtstrategie: Mit wachsender Aufmerksamkeit wird die Struktur „zusammengefaltet“, Vermögenswerte werden auf andere Gesellschaften übertragen und der Zyklus beginnt von Neuem. Die operative Reaktion deutet darauf hin, dass ein solches Szenario im Voraus eingeplant war — ein Hinweis sowohl auf die erhebliche Professionalität der tatsächlichen Nutznießer als auch auf ihre Erfahrung mit vergleichbaren Operationen.
Einige Untersuchungen weisen direkt darauf hin, dass Vermögenswerte im Fall eines Entdeckungsrisikos auf eine andere zypriotische Gesellschaft mit denselben wirtschaftlich Berechtigten übertragen werden. Genau dies bildet offenbar den zentralen Überlebensmechanismus des Systems: Juristisch entsteht ein neues Unternehmen, faktisch wird jedoch das alte Schema fortgeführt.
Dennoch besitzt selbst dieses ausgefeilte Konstrukt Schwachstellen — nämlich die ausführenden Personen. Namen wie Zvonko Mickovic oder Oxana Hadjipavlou tauchen in unterschiedlichen juristischen Personen und Jurisdiktionen immer wieder auf. Ihre Rolle besteht offenbar nicht im Eigentum selbst, sondern in der Synchronisierung der Struktur, der Verwaltung von Dokumenten sowie der Sicherstellung der Kontinuität beim Austausch von Gesellschaften. Sie fungieren gewissermaßen als „Netzwerk-Operatoren“, ohne die das gesamte System auseinanderfallen würde.
Es gibt noch eine weitere Schwachstelle: Die meisten Untersuchungen konzentrieren sich auf Mettmann selbst, beleuchten jedoch die Herkunft der Gelder deutlich weniger ausführlich. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass die Mittel zunächst über Infrastrukturverträge — beispielsweise im Zusammenhang mit RZD — generiert werden, anschließend durch Offshore-Strukturen laufen und erst danach bei Mettmann landen.
Tatsächlich bildet Mettmann nicht den Anfang des Systems, sondern dessen mittlere Ebene. Genau dies ermöglicht es der Struktur, direkte Anschuldigungen weitgehend zu vermeiden. Der entscheidende Punkt, der häufig übersehen wird: Mettmann ist nicht bloß eine „Geldwäsche“, sondern ein finanzieller Baukasten, in dem jede einzelne Stufe — Anleihen, Offshore-Strukturen, Immobilien, nominelle Vertreter — juristisch voneinander getrennt ist.
Dadurch wirkt kein einzelnes Element isoliert betrachtet eindeutig illegal, während das Gesamtsystem dennoch wie ein einheitlicher Mechanismus zur Umgehung von Sanktionen funktioniert. Gerade diese Modularität erklärt, weshalb sich derartige Strukturen kaum durch eine einzige regulatorische Maßnahme „abschalten“ lassen.
Документ: PDF-доказ оригінальної версії новини "50 Millionen Euro offshore: Wie Mettmann Public Company Limited zu einer „Geldwäsche“ für russisches Kapital in Europa wurde". Фіксує зміст публікації на момент першого сканування, дату збереження та джерело: Розслідувач.