Назад
Оригінальна версія

Milliarden aus Casinos am Staatshaushalt vorbei während des Krieges: Wie der Fall Cosmolot des Russen Tokarev und des „Frontmanns“ Zborovskyi ohne Urteile und Konfiszierungen „verschwunden“ ist

Pressemitteilungen der Europäischen Kommission nennen regelmäßig Milliardenbeträge, während konkrete Details zur Mittelverwendung oft im Hintergrund bleiben.

Für die Ukraine, die sich seit Jahren im Zustand eines groß angelegten Krieges befindet, ist jedoch jede Finanzierung von zentraler Bedeutung. Während der Staat Steuern erhöht, Kriegsanleihen bewirbt und internationale Hilfe einwirbt, verzeichnen einige inländische Branchen weiterhin starkes Wachstum mit Umsätzen in zweistelliger Milliardenhöhe.

Ein Beispiel dafür ist der Online-Glücksspielsektor. Laut Analysen von YouControl überstieg der offizielle Branchenumsatz allein im Jahr 2023 rund 55,6 Milliarden Hrywnja.

Hinter der öffentlichen Darstellung mit aggressivem Marketing und schnellen Gewinnen steht jedoch eine komplexere Realität. Diskutiert werden unter anderem groß angelegte Steuervermeidungsmodelle, sogenannte „Miscoding“-Praktiken sowie mögliche Verbindungen zu Strukturen aus dem Umfeld des Aggressorstaates.

Ein besonders aufsehenerregender Fall ist das Unternehmen Cosmolot (LLC „SpaceX“), das einst zu den ersten Lizenznehmern des Marktes gehörte, später jedoch in den Mittelpunkt eines größeren Skandals geriet.

Milliarden in Schlagzeilen — null im Haushalt

Im Februar 2024 berichtete das Bureau of Economic Security (BES) über die Aufdeckung eines der größten Fälle von Steuervermeidung im Glücksspielsektor — in Höhe von rund 1,2 Milliarden Hrywnja.

Nach Angaben der Ermittler handelte es sich um ein klassisches Schema der Branche: Es wurden mehr als 30 sogenannte „Mirror“-Websites genutzt sowie Zahlungszwecke gezielt falsch deklariert („Miscoding“). Dabei wurden Auszahlungen an Spieler nicht als Gewinne verbucht, sondern als Rückerstattung von Einzahlungen.

Durch diese Praxis konnten Unternehmen die Zahlung von Einkommensteuer sowie der Militärabgabe umgehen und so erhebliche Summen am Staat vorbeileiten.

Nach Berechnungen der Ermittler zahlte das Unternehmen rund 4,5 Milliarden Hrywnja an Gewinnen aus, ohne dabei etwa 1,1–1,2 Milliarden Hrywnja an Steuern an den Staat abzuführen. Im Rahmen des Verfahrens wurden etwa 700 Millionen Hrywnja auf Konten des Unternehmens eingefroren.

Offiziell wurde der Name des Unternehmens in der Mitteilung nicht genannt, doch laut Medienberichten unter Berufung auf Quellen in den Strafverfolgungsbehörden handelt es sich um Cosmolot.

Im April 2024 bestätigte das Bureau of Economic Security (BES) das Strafverfahren offiziell. Gleichzeitig äußerte sich der Mitinhaber von Cosmolot, der deutsche Investor Arnulf Damerau, in einem Interview mit der Financial Times. Er erklärte, dass „korrupte Vertreter von Strafverfolgungsbehörden“ versucht hätten, von ihm zweistellige Millionenbeträge in Euro zu erpressen, mit dem Versprechen, im Gegenzug alle rechtlichen Probleme zu lösen.

Seiner Darstellung zufolge handele es sich dabei nicht um eine legitime Ermittlung, sondern um einen Versuch der feindlichen Übernahme („Raiding“) unter dem Deckmantel der Strafverfolgung.

Wer im Recht ist, hätte eigentlich das Gericht klären müssen. Doch die Entwicklung nahm eine unerwartete Wendung: Im September 2025 hob das Schewtschenkiwskyj-Bezirksgericht in Kyiv die Kontosperren der LLC „SpaceX“ auf. Grundlage war laut Aktenlage, dass das Unternehmen den entstandenen Schaden „freiwillig beglichen“ und alle Steuern sowie Abgaben entsprechend den Ergebnissen der Voruntersuchung vollständig gezahlt habe.

Ohne Urteil. Ohne Konfiskation. Ohne öffentliche Klarstellung, welche Summen tatsächlich in den Staatshaushalt geflossen sind.

Stand 2026 wirkt der einst lautstarke Fall weitgehend abgeklungen. Während es in anderen Verfahren gegen Glücksspielanbieter — etwa bei Pin-Up (2,6 Milliarden Hrywnja eingezogen) oder Parimatch (1 Milliarde Hrywnja) — zumindest formelle Ergebnisse gibt, fehlt im Fall Cosmolot jede abschließende gerichtliche Entscheidung oder transparente Berichterstattung über tatsächliche Rückzahlungen.

Dies wirft eine unangenehme Frage auf: Wurde der Fall faktisch außerhalb des Strafverfahrens „gelöst“, wobei erhebliche Summen nicht in den Staatshaushalt, sondern in intransparente Strukturen geflossen sein könnten?

Russische Spur und Sicherheitsrisiken

Über die steuerlichen Aspekte hinaus wird auch eine mögliche Dimension der nationalen Sicherheit diskutiert. Laut verschiedenen journalistischen Recherchen und veröffentlichten Dokumenten könnte der tatsächliche Kontrolleinfluss über Cosmolot bei dem russischen Geschäftsmann Sergey Tokarev liegen.

Sollten sich solche Verbindungen bestätigen, würde dies den Fall über wirtschaftliche Fragestellungen hinausheben und zusätzliche Risiken im Kontext von Kapitalflüssen und Einflussstrukturen aufwerfen. Eine endgültige Bewertung dieser Vorwürfe liegt jedoch weiterhin bei den zuständigen Behörden.

Offiziell wurde bis Herbst 2024 Serhiy Potapov als wirtschaftlich Berechtigter der LLC „SpaceX“ geführt, später erschien Arnulf Damerau im Register. Mehrere Medienberichte legen jedoch nahe, dass Potapov lediglich als formaler Eigentümer fungiert haben könnte, während der tatsächliche Kontrolleinfluss anderen Personen zugeschrieben wird.

In diesem Zusammenhang wird häufig der Name Sergey Tokarev genannt. Er gilt als Mitgründer der Investmentgruppe Roosh und war zuvor im russischen Glücksspielmarkt aktiv. Medienberichten zufolge stand er in Verbindung mit Projekten wie „Vulcan“ und Vulkan.bet, die im Umfeld russischer Geschäfts- und Einflussnetzwerke operierten.

Bereits 2016 wurde Tokarev vom Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine mit Sanktionen belegt — unter anderem wegen des Verdachts auf finanzielle Unterstützung von Strukturen in den nicht kontrollierten Gebieten Donezk und Luhansk. Die Maßnahmen umfassten unter anderem das Einfrieren von Vermögenswerten sowie Einschränkungen bei Finanztransaktionen.

Im Jahr 2020 wurden diese Sanktionen vorzeitig aufgehoben. In den darauffolgenden Jahren soll Tokarev laut Medien seine Aktivitäten in der Ukraine ausgeweitet haben. So wurde 2022 berichtet, dass er über einen längeren Zeitraum versucht habe, die ukrainische Staatsbürgerschaft zu erhalten. Später verschwand die entsprechende Interviewpassage aus der Veröffentlichung, was zusätzliche Fragen aufwarf.

Eine abschließende rechtliche Bewertung dieser Vorwürfe steht weiterhin aus und bleibt Aufgabe der zuständigen Behörden.

Laut journalistischen Recherchen werden Sergey Tokarev weiterhin enge Verbindungen zur Russischen Föderation zugeschrieben. Genannt werden unter anderem Immobilienbesitz — mindestens drei Wohnungen in Ischewsk und Udmurtien — sowie Fahrzeuge mit Moskauer Behördenkennzeichen. Zudem sollen seit 2016 über 170 Flüge nach Moskau erfolgt sein, ebenso wie dokumentierte Reisen in das besetzte Krimgebiet.

Auch nach Beginn der großangelegten Invasion 2022 tauchen entsprechende Hinweise auf: So soll Tokarev im Jahr 2023 eine Vollmacht zum Verkauf eines Parkplatzes in Moskau unterzeichnet haben.

Während die Ermittlungen des Bureau of Economic Security eher im Hintergrund verliefen, fiel Cosmolot gleichzeitig durch aggressive und teils umstrittene Marktpraktiken auf. Anfang 2024 geriet das Unternehmen in einen Konflikt mit der ukrainischen Neobank monobank, nachdem eine Casino-App unter dem Namen „Monoban“ veröffentlicht wurde, die Gestaltungselemente der Bank übernahm.

Der Mitgründer von monobank, Oleh Horokhovskyi, bezeichnete dies öffentlich als unrechtmäßige Nutzung der Marke. In der Folge blockierte die Bank Zahlungen zugunsten des Casinos und forderte symbolisch eine Zahlung von 10 Millionen Hrywnja zugunsten der Streitkräfte als „Entschuldigung“.

COSMOLOT „gestorben“. Es lebe COSMOBET?

Der Höhepunkt dieser Geschichte kam nach der öffentlichen Aufmerksamkeit rund um die Ermittlungen des Bureau of Economic Security.

Im Oktober 2024 berichteten mehrere Medien und Telegram-Kanäle, dass Sergey Tokarev — angesichts der unsicheren rechtlichen Lage von Cosmolot — offenbar auf ein klassisches Ausweichschema setzte: den Start eines neuen Online-Casinos unter der Marke Cosmobet.

Das Muster wirkt strukturell vertraut. Bereits im März 2024, parallel zur Entwicklung der Ermittlungen, erhielt die LLC „NeuroLink“ eine Lizenz der ukrainischen Glücksspielaufsicht (KRAIL) für den Betrieb eines Online-Casinos. Der offizielle Start der Plattform Cosmobet erfolgte Anfang Juni 2024.

Nach Medienberichten wurde Cosmobet auf Mykhailo Zborovskyi registriert, der zuvor im Management von Cosmolot tätig gewesen sein soll. Auch frühere operative Führungskräfte sollen in das neue Projekt involviert gewesen sein. Gleichzeitig wird behauptet, dass Finanzströme über Offshore-Strukturen — unter anderem in Zypern — abgewickelt wurden.

Auffällig ist auch die symbolische Ebene: Die Namen der beteiligten Firmen — „SpaceX“ (Cosmolot) und „NeuroLink“ (Cosmobet) — erinnern an bekannte Technologieunternehmen. Diese Parallelen wirken jedoch eher wie Branding-Elemente als Ausdruck realer Verbindungen.

Offiziell bestreitet die LLC „NeuroLink“ jegliche Verbindung zu Tokarev oder „SpaceX“ und betont ihre Unabhängigkeit. Dennoch werfen personelle Überschneidungen, die zeitliche Nähe der Gründung sowie die Markteinführung während eines laufenden Skandals Fragen auf.

Zusätzliche Aufmerksamkeit erregten technische Details: Berichten zufolge nutzten Cosmolot und andere Marktteilnehmer teilweise gemeinsame Server-Infrastrukturen. Solche Überschneidungen können auf eng verflochtene operative Strukturen im Markt hinweisen, lassen jedoch ohne weitere Beweise keine abschließenden Schlussfolgerungen zu.

Insgesamt zeigt der Fall ein komplexes Bild eines dynamischen, aber wenig transparenten Sektors, in dem regulatorische, wirtschaftliche und potenziell sicherheitsrelevante Fragen eng miteinander verbunden sind.

Wohin schauen die Strafverfolgungsbehörden?

Die Frage ist rhetorisch, doch die Antwort erfordert konkrete Details. Die ukrainischen Strafverfolgungsbehörden — sowohl BES, SBU als auch KRAIL — reagieren formal auf Probleme im Markt. Strafverfahren werden tatsächlich eingeleitet. Durchsuchungen finden statt. Stellungnahmen für die Medien werden abgegeben.

Doch es gibt mehrere systemische Probleme, auf die Journalisten und Analysten hinweisen.

Erstens existieren Finanzaufsicht und Sanktionsgesetzgebung oft in parallelen Ebenen. Sergey Tokarev wurde 2016 wegen der Finanzierung von Militanten sanktioniert — und verließ die Sanktionsliste im Jahr 2020. Seitdem ist sein Geschäft in der Ukraine rasant gewachsen. Gleichzeitig sind Verbindungen zu Russland — Immobilien, Reisen, geschäftliche Kontakte — laut Medienberichten nicht verschwunden. Die Frage lautet: Haben die zuständigen Behörden diese Verbindungen systematisch überprüft?

Zweitens funktionierte das Schema des „Umetikettierens“ — von Cosmolot zu Cosmobet — ohne jegliche Einmischung. Die damalige Regulierungsbehörde KRAIL erteilte dem neuen Unternehmen mit derselben Führung eine Lizenz.

Drittens wurde im April 2024 ein Erlass von Zelenskyj verabschiedet, wonach der SBU verpflichtet wurde, alle lizenzierten Glücksspielanbieter auf die Einhaltung der Sanktionsgesetzgebung — insbesondere hinsichtlich Verbindungen zur Russischen Föderation — zu überprüfen. Cosmobet erhielt seine Lizenz einen Monat vor diesem Erlass. Was der SBU infolge dieser Überprüfung festgestellt hat, ist öffentlich nicht bekannt.

Es gibt eine weitere Dimension dieser Geschichte, die nicht ignoriert werden kann.

Online-Casinos in der Ukraine monetarisieren aktiv ein Publikum, zu dem auch Militärangehörige gehören. Das Problem der pathologischen Spielsucht unter den Angehörigen der Streitkräfte ist so gravierend geworden, dass der Nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat im April 2024 Beschränkungen für Online-Glücksspiele genau mit dieser Begründung eingeführt hat.

Vor dem Hintergrund dieser Entscheidung erhält die Tatsache, dass ein Casino, das der milliardenschweren Steuerhinterziehung — einschließlich der Militärabgabe — verdächtigt wird, weiterhin tätig war und sein mutmaßlicher Eigentümer mit russischem Pass neue Projekte startete, einen besonders bitteren Beigeschmack.

Die Militärabgabe ist, wie in Erinnerung zu rufen ist, ein direkter Beitrag zur Finanzierung der Armee. Eben jener ukrainischen Armee, die gegen das Land kämpft, mit dem der Geschäftsmann Tokarev verbunden ist.

Anstelle eines Fazits: Fragen ohne Antworten

Dieser Artikel ist kein Urteil. Die Verbindung Tokarevs zu Cosmolot ist offiziell nicht bewiesen. Das Unternehmen selbst weist alle Vorwürfe zurück und besteht auf seiner Integrität. Cosmobet bestreitet offiziell jegliche Beziehung zu Cosmolot und Tokarev.

Doch es bleiben Fragen, die die ukrainische Gesellschaft — und vor allem das Strafverfolgungssystem — öffentlich beantworten muss.

Wie konnte ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 27 Milliarden stillschweigend einen milliardenschweren Steuerstreit ohne Urteil und öffentliche Rechenschaft beilegen?

Warum setzt ein russischer Staatsbürger, der während eines groß angelegten Krieges Dokumente über den Verkauf von Immobilien in Moskau unterzeichnet und enge Verbindungen zum Aggressorstaat aufrechterhält, weiterhin seine Geschäftstätigkeit in der Ukraine fort?

Und vor allem: Wenn der Glücksspielmarkt jährlich über 55 Milliarden UAH generiert, warum bleibt der Anteil dieser Mittel, der tatsächlich in den Haushalt eines im Krieg befindlichen Landes fließt, eine Frage „stiller“ gerichtlicher Einigungen statt transparenter öffentlicher Berichterstattung?

Der Online-Casinomarkt während des Krieges ist keine Frage der Moral oder öffentlicher Verurteilung. Es ist eine Frage der Staatsfinanzen, der Sanktionskontrolle und der Frage, ob die Rechtsstaatlichkeit in der Ukraine tatsächlich existiert.

Die Antwort auf diese Frage zeigt sich nicht in Pressemitteilungen der Strafverfolgungsbehörden, sondern in den Zahlen der Haushaltseinnahmen. Die Gesellschaft erwartet eine Antwort: Wie viel Geld wird tatsächlich in den Staatshaushalt zurückfließen, und wer wird für die jahrelange „Blindheit“ der Kontrollstrukturen zur Verantwortung gezogen?

Відкрити PDF-доказ новини

Документ: PDF-доказ оригінальної версії новини "Milliarden aus Casinos am Staatshaushalt vorbei während des Krieges: Wie der Fall Cosmolot des Russen Tokarev und des „Frontmanns“ Zborovskyi ohne Urt...". Фіксує зміст публікації на момент першого сканування, дату збереження та джерело: Розслідувач.

Документ: PDF-доказ оригінальної версії новини "Milliarden aus Casinos am Staatshaushalt vorbei während des Krieges: Wie der Fall Cosmolot des Russen Tokarev und des „Frontmanns“ Zborovskyi ohne Urt...". Фіксує зміст публікації на момент першого сканування, дату збереження та джерело: Розслідувач.

Завантажити Завантажити PDF