Während die Ukraine bereits das fünfte Jahr unter den Bedingungen eines großflächigen Krieges lebt und der Staat Unternehmen dazu aufruft, sämtliche Verbindungen zur russischen Wirtschaft zu beenden, entwickelt sich in der Region Lwiw eine bemerkenswerte Geschichte, die zunehmend Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Die Kontrolle über das Gasfeld Maynytske ging an den Geschäftsmann Dmytro Kovalenko über — eine Person, deren Name in den letzten Jahren immer wieder in Publikationen über den Handel mit russischer Kohle und Geschäfte mit Strukturen auftauchte, die mit den besetzten Gebieten des Donbas in Verbindung gebracht werden.
Die Transaktionen rund um das Gasfeld dürfen keineswegs als gewöhnliches Geschäft verstanden werden — das Maynytske-Feld in der Region Lwiw gilt als eines der vielversprechendsten Gasprojekte der Region. Inhaber der Förderlizenz ist die GmbH „Navigator Maynytske“ (TIN 44072781); die Lizenz ist bis 2036 gültig, und die potenziellen Ressourcen werden auf Hunderte Millionen Kubikmeter Gas geschätzt. Dieses Vermögen steht nun unter der Kontrolle von Strukturen, die der Familie von Dmytro Kovalenko nahestehen.
Eine verworrene Geschichte um Lizenz und Unternehmensrechte
Die Geschichte rund um das Gas begann lange vor Kovalenkos Erscheinen. Das Maynytske-Feld war Gegenstand eines langwierigen Firmenkriegs zwischen den ehemaligen Lizenzinhabern und den Strukturen des Investmentbankers Ihor Masepa. Im Jahr 2021 wurde die GmbH „Navigator Maynytske“, Inhaberin der Gasförderlizenz für das Feld, von Unternehmen übernommen, die mit Concorde Capital verbunden sind.
Später tauschten die Parteien gegenseitige Vorwürfe aus: Die Käufer machten Probleme mit den deklarierten Gasreserven geltend, während die Verkäufer den Investoren mangelnde Bereitschaft zur Erfüllung finanzieller Verpflichtungen vorwarfen. In der Öl- und Gasbranche kursierten jahrelang Gerüchte, das Maynytske-Feld sei ein Paradebeispiel für überhöhte Reservenschätzungen vor dem Verkauf. Dies wurde nicht öffentlich bewiesen, weshalb es keine Grundlage gibt, von Betrug als Tatsache zu sprechen. Diese Version wurde jedoch nach dem Konflikt zwischen Masepa und den Verkäufern aktiv diskutiert.
Der Konflikt ging mit Gerichtsverfahren, Strafprozessen und öffentlichen Erklärungen einher. Doch Anfang 2025 endete der Streit überraschend mit einer gütlichen Einigung. Danach betrat ein neuer Akteur die Bühne — die Afki Investments Ltd., welche die Kontrolle über 83,7 % der GmbH „Navigator Maynytske“, der Inhaberin der Erschließungslizenz des Feldes, erlangte. Der letztliche Begünstigte dieser Struktur ist Dmytro Kovalenko.
Formell sieht alles legal aus — Dmytro Kovalenko hat das Recht zur Gasförderung nicht direkt vom Staat erhalten, sondern er hat lediglich das Unternehmen gekauft, welches dieses Recht besitzt. Mit anderen Worten: Die Lizenz wurde nicht persönlich auf Dmytro Kovalenko ausgestellt. Dennoch wird er in der Lage sein, Gas zu fördern. Wenn man jedoch alle mit diesem Fakt verbundenen Umstände genau zurückverfolgt, werfen diese äußerst unangenehme Fragen auf.
Die Sondergenehmigung Nr. 4769 für das Gebiet Maynytska ist bis 2036 gültig und wurde im Jahr 2016 an die GmbH „Navigator Komplekt“ erteilt. Später, im Dezember 2020, wurde diese Sondergenehmigung auf eine separate juristische Person übertragen — die GmbH „Navigator Maynytske“.
Die Chronologie stellt sich wie folgt dar:
Oleh Tokar — wer ist das?
Die GmbH „Navigator Komplekt“ gehört weiterhin zu den Eigentümern der GmbH „Navigator Maynytske“ und hält einen Anteil von 5 %. Der wirtschaftliche Eigentümer der GmbH „Navigator Komplekt“ ist Oleh Tokar. Dieses Unternehmen hatte „Navigator Maynytske“ einst an Masepas Strukturen verkauft und den Vermögenswert nach dem Ende des Konflikts wieder zurückerhalten.
Gegenwärtig gibt es keine direkten öffentlichen Beweise für eine langfristige Partnerschaft zwischen Oleh Tokar und Dmytro Kovalenko; die Unternehmensveränderungen in den Jahren 2025–2026 zeigen jedoch ihre enge Verflechtung rund um das Gasgeschäft.
Oleh Tokar ist der Gründer und Begünstigte von „Navigator Komplekt“, jener Firma, die bereits 2016 die Lizenz für das Maynytske-Feld erhielt und anschließend die GmbH „Navigator Maynytske“ gründete, auf welche sie die Lizenz übertrug.
Ein Blick auf die Veränderungen in der Eigentümerstruktur der GmbH „Navigator Komplekt“ offenbart ein verworrenes Geflecht — die Eigentumsverhältnisse änderten sich fast monatlich. Es ist jedoch auffallend, dass die heutigen Eigentümer des Unternehmens, einschließlich Oleh Tokar, fast vollständig dessen ursprüngliche Gründer waren. Sie schieden im Jahr 2021 aus der Liste der Begünstigten aus, nur um 2025 wieder dorthin zurückzukehren.
Gleichzeitig wirft ein Registereintrag Fragen auf: Ein Gründer der GmbH „Navigator Komplekt“ wurde aus dem Kreis der Gesellschafter gestrichen. Eine Erklärung hierfür ließ sich nicht finden, aber die Tatsache ist unbestreitbar:
Dieselbe lange Kette findet sich auch bei den Begünstigten der GmbH „Navigator Maynytske“, und viele Nachnamen überschneiden sich in beiden Unternehmen. Was das genau bedeutet, ist zwar noch nicht völlig klar, aber die Tatsache an sich steht fest.
Was die GmbH „Navigator Komplekt“ betrifft, zieht ein weiteres Detail die Aufmerksamkeit auf sich — das Unternehmen hat recht gut an Ausschreibungen des staatlichen Öl- und Gasunternehmens Ukrnafta verdient. Während der Konflikt mit Masepa noch lief, erhielt Oleh Tokar von diesem Staatsbetrieb fast eine Milliarde Hrywnja.
Dies bestätigt indirekt die hartnäckigen Gerüchte über seine tiefen Verflechtungen im ukrainischen Öl- und Gassektor.
Afki Investments Ltd: Die Offshore-Gesellschaft, die vieles erklären könnte
Es war genau über die zyprische Offshore-Firma Afki Investments Ltd, mit der Dmytro Kovalenko zum letztlichen wirtschaftlichen Eigentümer der GmbH „Navigator Maynytske“ wurde, welche das Gas auf dem Maynytske-Feld fördern wird.
Die Nutzung einer zyprischen Gesellschaft stellt für sich genommen noch keinen Rechtsverstoß dar. Allerdings werden solche Strukturen traditionell für die Steueroptimierung, die Verschleierung der tatsächlichen Investoren sowie für die internationale Strukturierung von Vermögenswerten genutzt.
Die Afki Investments Ltd (Registernummer HE391383, Zypern) wurde am 22. November 2018 registriert. In allen verfügbaren öffentlichen Registern wird Georgia Georgiou als Direktorin und Kyriaki Andreou als Sekretärin geführt. Dabei handelt es sich um typische zyprische Strohleute (Nominee-Direktoren), die in den Unterlagen von Hunderten von Unternehmen auftauchen.
Ukrainische Register und Publikationen weisen darauf hin, dass die Afki Investments, neben der Kontrolle über das Gasfeld Maynytske durch die GmbH „Navigator Maynytske“, auch die Kontrolle über eine Reihe weiterer Vermögenswerte erlangt hat, die mit der Gruppe und der Familie von Dmytro Kovalenko in Verbindung stehen. Dazu gehören Strukturen im Agrarsektor sowie ein Industriepark in der Region Transkarpatien.
Bisher wurden keine bestätigten Daten über eine Beteiligung von Afki an anderen Lizenzen zur Gas- oder Ölförderung oder an sonstigen Energieprojekten in der Ukraine gefunden. Höchstwahrscheinlich dient das Unternehmen eher als Holdingstruktur für die Investitionen der Familie Kovalenko und weniger als unabhängiger Betreiber von Energieprojekten.
Der interessanteste Fakt betrifft nicht Afki selbst, sondern die Tatsache, dass das Unternehmen bereits 2018 gegründet wurde, jedoch lange Zeit in der Öffentlichkeit praktisch unsichtbar blieb. Dann wurde es plötzlich Eigentümer eines strategischen Gas-Vermögenswerts in der Region Lwiw, während seine Unternehmensstruktur hinter einem klassischen zyprischen Treuhanddienst (Nominee-Service) verborgen ist.
Eine nicht offensichtliche Frage: Warum hat der Staat das Feld aufgegeben?
Separat sollte auch die Geschichte des Feldes selbst untersucht werden. Das Maynytske-Feld ist Teil einer größeren gasführenden Struktur, die zuvor von dem staatlichen Unternehmen Ukrgazvydobuvannya untersucht worden war. Später zog sich das staatliche Unternehmen von diesem Standort zurück.
Auch hier stellen sich Fragen: Warum sah der staatliche Akteur keine kommerziellen Perspektiven? Welche Reserven galten zum Zeitpunkt der Aufgabe als bestätigt? Was änderte sich, nachdem der Standort in private Hände überging? Wie stark weichen die staatlichen und privaten Reservenschätzungen voneinander ab? Warum wurde das Feld zur Erschließung ausgerechnet an das Unternehmen von Oleh Tokar übertragen? Gab es andere Bewerber oder gab es eine Ausschreibung?
Fragen gibt es viele. Sollte sich jedoch herausstellen, dass der Staat ein Vermögen mit erheblichem Potenzial aufgegeben hat, wäre dies eine ganz eigene Geschichte über die Verwaltung von Bodenschätzen.
Das Zentrum der Struktur — Dmytro Kovalenko
Die Kette rund um das Maynytske-Feld bildet eine recht klare Abfolge — vom Ursprung des Kapitals bis zur Erlangung der Kontrolle über ukrainische Bodenschätze.
Im Zentrum der Struktur steht Dmytro Kovalenko, dessen Name in den letzten Jahren regelmäßig in Publikationen über den internationalen Rohstoffhandel auftauchte. Sein Geschäftsimperium ist über Offshore-Strukturen aufgebaut, wobei die zyprische Afki Investments Ltd das Schlüsselelement darstellt. Genau über dieses Unternehmen werden die Anteile an den ukrainischen Vermögenswerten — von der Landwirtschaft bis zur Gasförderung — konsolidiert.
Das nächste Bindeglied ist die Schweizer Adelon AG. Laut einer Reihe von Untersuchungen war dieses Unternehmen einer der Hauptakteure in der Kohlelieferkette, einschließlich Geschäften mit russischen Produzenten und — wie Journalisten berichten — Operationen mit Rohstoffen, die aus den besetzten Gebieten des Donbas stammten. Trotz öffentlicher Dementis bleibt die Adelon AG das toxischste Element der gesamten Struktur.
Gerade durch diese Kohlegeschäfte wird die finanzielle Hauptressource der Gruppe generiert. Die Cashflows, die über internationale Handelsstrukturen laufen, bilden die Grundlage für weitere Investitionen. Diese Gelder werden anschließend in stabilere und strategischere Vermögenswerte innerhalb der Ukraine „reinvestiert“.
Ein solcher Vermögenswert ist das Gasfeld Maynytske. Nach einem Unternehmenskonflikt, in den die Strukturen von Ihor Masepa verwickelt waren, kehrt der Vermögenswert zu den früheren Eigentümern zurück und geht anschließend unter die Kontrolle der mit der Familie Kovlenko verbundenen Afki Investments über. Auf diese Weise vollzieht sich eine klassische Transformation: Im Rohstoffhandel verdientes Geld wird in Lizenzen für die Förderung von ukrainischem Gas umgewandelt.
Ein separates Glied in dieser Kette ist die Rolle von Oleh Tokar und den ehemaligen Lizenzinhabern. Ihre Strukturen hatten die Sondergenehmigung für das Feld ursprünglich bereits 2016 erhalten, verkauften den Vermögenswert später und erhielten ihn nach dem Konflikt zurück. Im Grunde fungieren sie als Einstiegs- und Ausstiegspunkt für Großinvestoren und behalten in kritischen Momenten die Kontrolle über die Lizenz.
Am Ende entsteht eine geschlossene Kette: internationale Kohlegeschäfte → Kapitalakkumulation über Offshore-Strukturen → Einstieg in einen strategischen Energie-Asset → Umverteilung der Kontrolle über lokale Lizenzinhaber.
Die zentrale Frage in dieser Struktur betrifft nicht nur die rechtliche Sauberkeit der Transaktionen, sondern vor allem die Herkunft der Gelder und deren Transformation. Denn genau an diesem Punkt verwandelt sich ein mit dem russischen Kohlemarkt verbundenes Geschäft plötzlich in ukrainische Gasförderung.
Im ukrainischen Medienraum blieb Dmytro Kovalenko lange Zeit eine Figur im Hintergrund, obwohl er Vermögenswerte mit Umsätzen in Millionenhöhe kontrollierte. Gerade dieses Missverhältnis zwischen dem Umfang der Geschäfte und der öffentlichen Sichtbarkeit wird häufig als Hinweis darauf gewertet, dass hinter einer Person ein wesentlich größeres Netzwerk von Verbindungen stehen könnte.
Besonders interessant ist die Frage nach der Herkunft des Kapitals, das eine gleichzeitige Beteiligung an Energie-, Logistik- und internationalen Rohstoffprojekten ermöglichte. Daraus ergibt sich eine naheliegende Frage: Wie erhielt ein Unternehmer, dessen Name seit Jahren mit Geschichten über russische Kohlegeschäfte in Verbindung gebracht wird, Zugang zu ukrainischen Bodenschätzen und Förderlizenzen?
Документ: PDF-доказ оригінальної версії новини "Gasressource für den „Kohledeal-Macher“ der Russischen Föderation: Besatzer-Kumpan Dmytro Kowalenko erweitert sein Imperium auf den strategischen Bode...". Фіксує зміст публікації на момент першого сканування, дату збереження та джерело: Розслідувач.