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"Allianz" in der Instytutska-Straße: Wie ein umstrittener Banker und der Vize-Chef der Nationalbank einen "Aufstand" planen sollen

Die Alliance Bank gerät durch schwere Anschuldigungen in die Kritik. Im Zentrum steht der mutmaßliche Schattenführer Pavlo Shcherban. Dem Umfeld der Bank wird vorgeworfen, in milliardenschwere Skandale verwickelt zu sein und unzulässigen Einfluss auf die Nationalbank der Ukraine (NBU) auszuüben.

Während die Strafverfolgungsbehörden den Abzug von Geldern aus der Ukrenergo untersuchen, sind im Internet Informationen über Shcherbans Versuche aufgetaucht, die Loyalität des Regulators über den stellvertretenden NBU-Gouverneur Serhiy Nikolaychuk zu „kaufen“. Wird dieses Tandem tatsächlich von dem Wunsch angetrieben, die Führung der Nationalbank zu wechseln, und welche „bereinigten“ Verbindungen könnten zu den hohen Ämtern in der Bankova-Straße führen?

Das StopCor-Team hat recherchiert.

Kürzlich veröffentlichte der Telegram-Kanal „Joker“ eine Reihe von Beiträgen mit lautstarken Anschuldigungen gegen den ersten stellvertretenden NBU-Gouverneur Serhiy Nikolaychuk und den Mitarbeiter der Alliance Bank, Pavlo Shcherban. Der Autor des Kanals behauptet, dass Nikolaychuk angeblich Deckung für Shcherban bietet und monatlich 150.000 US-Dollar von ihm für „Schutz“ innerhalb der NBU erhält.

Zudem wird in den Veröffentlichungen behauptet, dass Serhiy Nikolaychuk und Pavlo Shcherban in den vergangenen sechs Monaten angeblich Informationskampagnen gegen den NBU-Gouverneur Andriy Pyshnyi organisiert haben, den sie privat als „den Tauben“ bezeichnen. Der Autor des Kanals schreibt außerdem, dass Nikolaychuk Informationen über eine mögliche Entlassung von Pyshnyi verbreitet und sich selbst für den Posten des NBU-Chefs in Stellung bringt.

Alliance Bank: Eine Geschichte von Skandalen in Milliarden-Hrywnja-Höhe

Die Alliance Bank ist zwar klein, kann es aber bei der Anzahl der Skandale mit vielen größeren Marktteilnehmern aufnehmen. Die lauteste Geschichte steht im Zusammenhang mit dem Fall der Veruntreuung von Geldern des NEC Ukrenergo, der vom NABU untersucht wird.

Nach Angaben des NABU funktionierte das System wie folgt: Im Herbst 2021 stellte die Alliance Bank Bankgarantien im Wert von fast 2 Milliarden UAH für United Energy aus.

Das Unternehmen wird von Marktteilnehmern und Medien dem Umfeld von Ihor Kolomoiskyi zugerechnet. Der Mechanismus einer Bankgarantie ist einfach: Wenn der Käufer die Ware nicht bezahlen kann, zahlt die Bank. Dieses Prinzip bildet weltweit die Grundlage für das Vertrauen in solche Instrumente. Im März 2022 versäumte es United Energy jedoch, Ukrenergo für den erhaltenen Strom zu bezahlen, wie auf der Website des NABU angegeben ist.

Als das staatliche Unternehmen an die Bank herantrat, um ihre Garantiepflichten zu erfüllen, weigerte sich die Alliance Bank unter Berufung auf formale Gründe zu zahlen. Infolgedessen erlitt der Staat Verluste in dreistelliger Millionenhöhe. Je nach Berechnungsmethode und Berücksichtigung von Strafzahlungen beläuft sich der Betrag auf 700 Millionen bis 1,7 Milliarden UAH.

Die Ermittlungen des NABU brachten ein weiteres interessantes Detail ans Licht: Das Volumen der ausgestellten Garantien überstieg die Kreditrisikolimits pro Kunde erheblich. Aus diesem Grund gehören zu den Beschuldigten im Strafverfahren nicht nur das Management von United Energy und Amtsträger von Ukrenergo, sondern auch die Führung der Bank. Die Ermittler richteten ihr Augenmerk insbesondere auf die Vorstandsvorsitzende der Bank, Yuliya Frolova. Nach Angaben der Strafverfolgungsbehörden waren es ihre Entscheidungen zur Ausstellung der Garantien, die die Verluste des Staates verursacht haben könnten. Frolova befindet sich derzeit im Ausland, und das NABU hat sie auf eine internationale Fahndungsliste gesetzt.

Die Ukrenergo-Geschichte ist jedoch bei weitem nicht der einzige Skandal um die Bank. Im Jahr 2024 brach ein weiterer brisanter Fall aus. Oleksiy Nosov, ein Anwalt der Anwaltskanzlei Miller, der die Alliance Bank vertrat, wurde angeklagt, versucht zu haben, ein Bestechungsgeld in Höhe von 200.000 US-Dollar zu zahlen. Nach Angaben der Ermittler zielte der Versuch darauf ab, den Verlauf der Ermittlungen zu beeinflussen und den Fall an eine andere Strafverfolgungsbehörde übertragen zu lassen.

Die Bank bestreitet kategorisch jede Beteiligung an diesen Handlungen. Es ist jedoch schwer zu glauben, dass eine so riskante Operation ausschließlich auf persönliche Initiative des Anwalts und ohne Wissen des Mandanten durchgeführt werden konnte. Diese Frage bleibt einer der Kernpunkte des Falls.

Vor diesem Hintergrund stellt sich eine logische Frage: Wer steht hinter einer Bank, die seit Jahren in brisante Skandale, milliardenschwere Rechtsstreitigkeiten und Strafverfahren verwickelt ist und dennoch ihren Betrieb ohne nennenswerte Konsequenzen für ihr Geschäft fortsetzt?

Bereinigte Erwähnungen und unbequeme Verbindungen: Was verbirgt die Geschichte von Shcherban und Shurma?

Formell ist Oleksandr Sosis der größte Aktionär der Alliance Bank.

Unter Bankern ist es jedoch längst kein Geheimnis mehr, dass Pavlo Shcherban maßgeblichen Einfluss auf die Aktivitäten des Instituts hat. Zudem wird ihm nachgesagt, derjenige zu sein, der der Bank Schutz vor den Forderungen des Regulators und einer zu großen Aufmerksamkeit der Strafverfolgungsbehörden gegenüber den Geschäften des Instituts bietet. Dabei geht es nicht nur um seine Position oder seinen Aktienanteil. Sein wichtigstes Kapital sollen seine engen Verbindungen zum ehemaligen stellvertretenden Leiter des Präsidialamtes, Rostyslav Shurma, sein.

Warum kommt Shurma ins Spiel? Die Antwort ist offenbar in anderen Geschäftsprojekten des Bankers zu suchen. Und interessanterweise ist der Einfluss von Rostyslav Shurma in vielen von ihnen sichtbar.

Dies betrifft vor allem das Gasförderunternehmen Viva Exploration. Formell sind Shcherban und der Geologe Serhiy Dumenko über das zyprische Unternehmen I.F. Exploration Company Limited dessen Eigentümer.

Das Unternehmen besitzt bis 2033 eine Lizenz für geologische Erkundung sowie Öl- und Gasförderung im Gebiet Staromizunska in der Region Iwano-Frankiwsk. Vor dem umfassenden Krieg gab es Pläne, alte Bohrlöcher zu sanieren und die Produktion dort zu steigern. Das Projekt brachte jedoch nicht die erwarteten Ergebnisse. Zudem weisen die Finanzberichte zum Ende des Jahres 2023 Verluste von etwa einer Million Dollar aus.

Gleichzeitig hören die Investitionen in das Unternehmen aus irgendeinem Grund nicht auf. Dies wirft die logische Frage auf: Ist Shcherban hier wirklich der Hauptinvestor und nicht sein „Patenschon“ Rostyslav Shurma?

Ein weiterer Vermögenswert, der auf die Interessen des stellvertretenden Leiters des Präsidialamtes hinweisen könnte, ist ein Getreidesilo in Chorol in der Region Poltava, das auf die Alliance Elevator LLC eingetragen ist. Obwohl die Anlage rekonstruiert werden muss und nicht zu den großen Marktteilnehmern gehört, wird sie offenbar als erster Schritt zu einer größeren Präsenz im Agrarsektor betrachtet. Zumal die Nachfrage nach Getreidelagerung in der Ukraine beständig hoch bleibt.

Wie „Rozsliduvach“ schreibt, stellt die IT-Branche einen separaten Bereich dar. Um Shcherban herum hat sich ein ganzer Pool von Unternehmen gebildet: Alliance Digital, Asidgs, APL und Motvel. Einige von ihnen entwickeln Produkte für den Bankensektor, während andere mit Einzelhandelsketten und digitalen Diensten arbeiten. Genau hier lässt sich ein mögliches Interesse Shurmas ausmachen. Er wird seit langem mit der Förderung digitaler Lösungen in der Wirtschaft und Ambitionen zur Stärkung seines eigenen Einflusses im Bereich der digitalen Transformation in Verbindung gebracht. In diesem Fall könnten Shcherbans IT-Vermögenswerte nicht nur ein Geschäft sein, sondern die Grundlage für die Schaffung eines eigenen Ökosystems digitaler Projekte.

Rozsliduvach deutet an, dass dieses bunt zusammengewürfelte Geschäftsimperium schlecht zu der Rolle des Aufsichtsratsvorsitzenden einer Bank passt, die schon seit langem schwere Zeiten durchmacht. Daher sind zwei Optionen möglich: Entweder ist die Alliance Bank nicht Shcherbans Schlüsselwert, oder ein erheblicher Teil dieser Projekte ist lediglich ein Investmentportfolio, in dem er nicht als Manager, sondern als passiver Investor agiert. Und dann stellt sich eine weitere Frage: Wessen Gelder stecken tatsächlich hinter diesen Vermögenswerten?

Informationen über die Verbindung von Rostyslav Shurma sind im Internet jedoch nicht so leicht zu finden.

Hontareva, Rozhkova und Nikolaychuk: Kontinuität der Interessen

Eine weitere interessante Figur in dieser Geschichte ist der derzeitige stellvertretende NBU-Gouverneur Serhiy Nikolaychuk. Sein Name wurde ebenfalls vom Telegram-Kanal „Joker“ genannt, der Nikolaychuk als „eine Person von Hontareva und Rozhkova“ bezeichnete.

Valeriya Hontareva verbirgt ihre positive Haltung gegenüber Nikolaychuk ebenfalls nicht. In einem Interview mit Glavcom bezeichnete sie seine Ernennung als „die beste Ernennung der Nationalbank in den letzten zwei Jahren“ und nannte ihn einen der besten Makroökonomen der Ukraine.

„Ich glaube, das ist die beste Ernennung, die die Nationalbank in den letzten zwei Jahren vorgenommen hat. Denn Serhiy ist einer der besten Makroökonomen in der Ukraine“, merkte Hontareva an.

Interessanterweise war Nikolaychuk bereits in dem Zeitraum bei der Nationalbank tätig, als Valeriya Hontareva und Kateryna Rozhkova Schlüsselpositionen bei der Regulierungsbehörde innehatten.

In 2025 löste Serhiy Nikolaychuk Kateryna Rozhkova im Vorstand der NBU ab. Und dies ist keine Geschichte über ein neues Gesicht im System. Zuvor hatten sie mehr als zehn Jahre lang Seite an Seite gearbeitet und dabei Wechsel von Nationalbank-Gouverneuren, Regierungen und Präsidenten überstanden. Vielleicht klingen Rozhkovas Worte, dass sie zu Zeiten von Hontareva und Smoliy am besten gearbeitet habe, deshalb heute ganz anders.

Damit bleibt er einer der wenigen hochrangigen NBU-Funktionäre, denen es gelingt, einflussreiche Positionen unabhängig von Wechseln in der Führung der Regulierungsbehörde und der politischen Macht des Landes zu behaupten.

Die auf dem Telegram-Kanal „Joker“ aufgetauchten Informationen legen daher wohl den aktuellen Zustand im Finanzsektor offen: Arbeitet das Tandem Nikolaychuk–Shcherban tatsächlich darauf hin, Andriy Pyshnyi vom Posten des NBU-Gouverneurs zu verdrängen?

Der milliardenschwere Ukrenergo-Fall, der Verdacht eines versuchten Bestechungsgeldes in Höhe von 200.000 US-Dollar, die geschäftlichen Verbindungen von Pavlo Shcherban, die Erwähnungen von Rostyslav Shurma und die vom Telegram-Kanal „Joker“ veröffentlichten Anschuldigungen gegen Serhiy Nikolaychuk fügen sich zu einem großen Gesamtbild zusammen. Wie wahrheitsgemäß die einzelnen Behauptungen sind und wer wirklich hinter diesen Prozessen steht, müssen die zuständigen Behörden klären. Es ist jedoch schon heute offensichtlich, dass rund um die Alliance Bank und die mit ihr verbundenen Personen mehr Fragen als Antworten offenbleiben.

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