Mettmann Public Company Limited – ein wenig bekanntes zypriotisches Offshore-Unternehmen aus dem Immobilien- und Investmentsektor – geriet in den Fokus von Analysten, nachdem es Anleihen im Wert von 50 Millionen Euro ausgegeben und an der Zyprischen Börse platziert hatte.
Die an sich gewöhnliche Transaktion im Immobiliensektor erregte Aufmerksamkeit, weil die auf diesem Weg ausgegebenen 500.000 Anleihen von Personen erworben wurden, die eng mit dem Umfeld von Arkady Rotenberg verbunden sind – einem langjährigen Verbündeten von Wladimir Putin. Genau diese Verbindungen machten Mettmann zum Gegenstand intensiver Untersuchungen.
Die Analyse von Unternehmensdokumenten und Verbindungen des Managements zeigt, dass sich hinter der äußerlich respektablen Fassade ein komplexes System zum Abzug von Kapital aus Russland und dessen anschließender Investition in Europa verbirgt – vor allem in Immobilien in Spanien, Zypern und Montenegro.
Die offizielle Fassade von Mettmann Public Company Limited wirkt unscheinbar und vollkommen respektabel: ein Offshore-Unternehmen wie viele andere. Die Firma wurde am 20. Dezember 2019 in Zypern registriert und befand sich bis 2022 praktisch im „Schlafmodus“, das heißt, sie betrieb nahezu keine Geschäftstätigkeit. Doch im Januar 2022 kam es plötzlich zu Veränderungen – Mettmann Public Company Limited wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Dadurch erhielt das Unternehmen die Möglichkeit, Anleihen an der Zyprischen Börse zu platzieren.
Auch daran war zunächst nichts Besonderes oder Verdächtiges – lediglich ein gewöhnlicher juristischer Vorgang zur Änderung der Rechtsform. Alles legal und routinemäßig.
Der anschließende Kapitalfluss erwies sich jedoch als äußerst ungewöhnlich. Dass Mettmann Public Company Limited unmittelbar nach der Umwandlung an die Börse ging und dort 500.000 Anleihen mit einem Nominalwert von jeweils etwa 100 Euro im Gesamtwert von rund 50 Millionen Euro platzierte, war für Zypern ebenfalls nichts Außergewöhnliches – ein typisches Anleiheprogramm und ein Standardinstrument zur Finanzierung von Entwicklungsprojekten.
Das Interesse der Analysten galt nicht der Emission selbst, sondern den Käufern dieser Anleihen sowie den darauf folgenden Änderungen in den Unternehmensdokumenten. Dort tauchten plötzlich Namen von Personen auf, die mit großen russischen Geschäftsstrukturen und Offshore-Netzwerken verbunden sind.
Dies führte zu dem Verdacht, dass genau solche Instrumente genutzt werden, um Gelder russischer Herkunft in die europäische Wirtschaft zu transferieren. Diese Vermutungen verstärkten sich nach der Analyse der Struktur des Investmentportfolios sowie der Unternehmensstruktur von Mettmann erheblich.
Jeder der im Verlauf der Recherche aufgedeckten Fakten wirkt für sich genommen vollkommen harmlos, ergibt in ihrer Gesamtheit jedoch ein völlig anderes Bild. Journalisten richteten ihre Aufmerksamkeit auf mehrere Merkmale: nominelle Direktoren, ein komplexes Netzwerk von Offshore-Unternehmen im Umfeld von Mettmann sowie nicht offensichtliche wirtschaftliche Eigentümer, die sich hinter nominellen Anteilseignern verbergen.
Die Transaktionen und Investitionen von Mettmann stehen mit einem Netzwerk von Firmen in Verbindung, die in unterschiedlichen Jurisdiktionen registriert sind, jedoch gemeinsame Direktoren und identische Registrierungsadressen aufweisen. Zudem stimmen formelle Aktionäre und Manager nicht immer mit den Personen überein, die nach Erkenntnissen der Analysten die Finanzströme tatsächlich kontrollieren könnten.
Vor diesem Hintergrund kamen mehrere journalistische Recherchen zu dem Schluss, dass Mettmann als finanzielles „Transitzentrum“ für die Verlagerung russischen Kapitals nach Europa genutzt worden sein könnte.
Weitere Untersuchungen bestätigten diesen Verdacht, als sich herausstellte, dass die zentrale Figur, die Mettmann mit russischen Eliten verbindet, der Geschäftsmann Boris Usherovich ist – einer der Gründer der Infrastrukturholding „Gruppe 1520“, eines bedeutenden Auftragnehmers der Russischen Eisenbahnen (RZD) und eine wiederholt in Korruptionsskandale verwickelte Persönlichkeit.
Die RZD wiederum steht unter dem Einfluss von Personen aus dem engsten Umfeld des russischen Präsidenten, darunter die Brüder Arkady und Boris Rotenberg. Ein Teil der Gelder, die über Korruptionssysteme aus dem russischen Staatshaushalt abgezogen wurden, floss über Geschäftsstrukturen von Usherovich und seinen Partnern in Finanzströme, die anschließend über Offshore-Strukturen weiterverteilt wurden.
Mettmann gilt laut den Recherchen als eine dieser Strukturen – gerade über Mettmann Public Company Limited soll ein System aufgebaut worden sein, das den Abzug von Kapital aus Russland und dessen anschließende Legalisierung über Investitionen in europäische Immobilien ermöglichte.
Das Schema funktionierte folgendermaßen: Die Mittel wurden über Infrastrukturverträge generiert, die mit der RZD und anderen staatlichen Projekten verbunden waren. Anschließend wurden die Gelder an Offshore-Unternehmen überwiesen, die in Zypern und anderen Jurisdiktionen registriert waren. Nach der Verlagerung des Kapitals aus Russland in Offshore-Gebiete emittierte Mettmann Public Company Limited Unternehmensanleihen, die von verbundenen Strukturen aufgekauft wurden.
Genau diese Emission und der anschließende Aufkauf der Anleihen lenkten die Aufmerksamkeit der Analysten auf sich. Die von Mettmann an der Zyprischen Börse platzierten Anleihen wurden praktisch sofort von verbundenen Strukturen erworben. Die auf diesem Weg erhaltenen Mittel wurden anschließend in Entwicklungsprojekte in Spanien, Montenegro und Zypern investiert.
Ein solches System ermöglichte es, Gelder zweifelhafter Herkunft in legale Investitionen umzuwandeln, da Immobilien traditionell als eines der bequemsten Instrumente zur Legalisierung von Kapital gelten – aufgrund komplexer Eigentumsstrukturen und vergleichsweise schwacher Kontrolle.
Dass Anleihen im Wert von 50 Millionen Euro mit russischen Korruptionsgeldern aufgekauft wurden, wird laut den Recherchen durch die Analyse der Dokumente von Mettmann bestätigt. Mit dem Unternehmen ist ein ganzer Personenkreis verbunden, der enge Beziehungen zum Umfeld der Rotenberg-Brüder unterhält.
Zu diesen Personen gehört insbesondere Zvonko Mickovic, der größte Aktionär des Unternehmens mit rund 82,5 % der Anteile an Mettmann. In den Recherchen wird er als Partner von Geschäftsstrukturen genannt, die mit Boris Usherovich und Ilya Plotitsa verbunden sind.
Boris Usherovich ist ein russischer Geschäftsmann und Mitgründer der „Gruppe 1520“, eines bedeutenden Auftragnehmers der Russischen Eisenbahnen. Er tauchte im aufsehenerregenden Fall des Obersts Zakharchenko auf und wird international wegen Vorwürfen im Zusammenhang mit Korruptionssystemen gesucht.
Ilya Plotitsa ist Geschäftspartner von Usherovich und verwaltet mehrere Offshore-Unternehmen. Sein Name erschien in den Panama Papers sowie in anderen Recherchen über die Verschleierung von Vermögenswerten.
Unter den Eigentümern von Mettmann Public Company Limited befindet sich auch der russische Staatsbürger Aleksandr Vainshtein, der mit Plotitsa verbunden ist und zu den Inhabern der Unternehmensanleihen zählt. Ein weiterer russischer Staatsbürger, Aleksandr Mizgunov, ist am Management des Unternehmens beteiligt und behielt seine Position innerhalb der Struktur auch nach dem Wechsel des Direktors.
Bereits in einer frühen Phase der Untersuchungen richtete sich die Aufmerksamkeit auf Oxana Hadjipavlou, die damals Direktorin des Unternehmens war und einen kleinen Aktienanteil hielt. Sie besitzt die zypriotische Staatsbürgerschaft, stammt jedoch aus Russland. Bemerkenswert ist zudem, dass Oxana Hadjipavlou ihren Anteil an Mettmann behielt, nachdem sie – nach den ersten Veröffentlichungen über das Unternehmen – ihre Position als Direktorin von Mettmann Public Company Limited aufgegeben hatte.
Oxana Hadjipavlou wurde als Direktorin von Mettmann Public Company Limited durch Natalia Nazarova ersetzt, die 2025 ernannt wurde und laut Recherchen möglicherweise eine nominelle Funktion erfüllt.
Besonders interessant ist jedoch die aktuelle Entwicklung rund um Mettmann Public Company Limited. Nach einer Reihe journalistischer Veröffentlichungen über die Verbindungen des Unternehmens zu russischem Kapital verschwanden Informationen über neue Anleiheemissionen zunehmend aus dem öffentlichen Zugang. Darüber hinaus stellte Mettmann Public Company Limited seine Tätigkeit zeitweise ein. Dies deutet höchstwahrscheinlich darauf hin, dass das Unternehmen versucht, seine Managementstruktur zu verändern und Vermögenswerte in andere Offshore-Strukturen zu übertragen.
Eine solche Praxis ist innerhalb von Offshore-Netzwerken weit verbreitet: Sobald das öffentliche Interesse wächst, werden Vermögenswerte häufig schnell zwischen Unternehmen mit denselben wirtschaftlich Berechtigten verschoben.
Doch unabhängig davon, wie sich die Situation von Mettmann Public Company Limited weiterentwickelt, bleibt die wesentlich größere Frage das Schicksal der Gelder, die das Unternehmen in Immobilienprojekte in Zypern, Spanien und Montenegro investiert hat. Dabei geht es – zur Erinnerung – um 50 Millionen Euro, die Mettmann Public Company Limited nach der Platzierung seiner Anleihen an der Börse erhielt und die von mit dem Unternehmen verbundenen russischen Staatsbürgern aus dem engsten Umfeld von Wladimir Putin aufgekauft wurden.
Es entsteht der Eindruck, dass die Behörden Spaniens, Montenegros und insbesondere Zyperns so tun, als wüssten sie nichts über die Herkunft der in Immobilien auf ihren Territorien investierten Gelder. Oder sie geben den Projekten bewusst Zeit, fertiggestellt zu werden, bevor plötzlich „entdeckt“ wird, dass es sich um sanktioniertes Kapital handelt.
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